Breitbandausbau in Eppstein

Im Main-Taunus-Kreis sollen bis 2017 nahezu flächendeckend die Voraussetzungen für schnelle Internet-Breitbandverbindungen geschaffen sein. Die Telekom baut auf Grund einer Kooperation mit dem Kreis das Netz in mehreren Schritten aus, bei dem Eppstein im Frühjahr 2016 an der Reihe sein soll. Für die jetzt geplanten Bau- und Installationsarbeiten zahlt der Kreis einen Investitionskostenzuschuss von stolzen 3,2 Millionen Euro. Hiernach sollen kreisweit alle Privathaushalte und Unternehmen die baulich-technischen Voraussetzungen haben, theoretisch (!) ein Tempo von bis zu 100 MBit/s (Megabit pro Sekunde) nutzen zu können. Es soll zukünftig eine komplexere Signalverarbeitung auf den alten Kupferleitungen verwendet werden, eine Art „Daten-Turbo für das Kupferkabel“.

Was recht fortschrittlich klingt, geht jedoch am eigentlichen Problem vorbei. Der Grund für Deutschlands Rückstand beim digitalem „Neuland“ Internet liegt nicht in der Art und Weise der bisherigen Verwendung der Kupferkabel, sondern in den Kupferkabeln selbst. Solange unsere Daten durch diese Kabel als Nadelöhr müssen, stecken wir im digitalem Steinzeitalter fest. Während in Südkorea oder Japan rund 80% der Haushalte über einen direkten Glasfaseranschluss (FTTB oder FTTH-Anschluss) verfügen, sind es bundesweit gerade einmal 2 % (!) und in Eppstein sogar noch weniger. Während mit Glasfaserkabeln die Daten nur so rasen und die Durchsatzraten kaum begrenzt sind, geht es mit dem Kupferkabeln, physikalisch bedingt, doch eher gemächlich daher.

Die flächendeckend für den MTK geplante Vectoringtechnik ist nicht grundsätzlich falsch. Gerade im ländlichen Raum kann hier sicherlich eine kostengünstige Alternative zum flächendeckenden Glasfaserausbau liegen. Für den Main-Taunus-Kreis und Eppstein, also ein Teil des wirtschaftsstarken Rhein-Main-Gebiets, jedoch mit Sicherheit nicht.

Hier sind vor allem die Länder gefragt, denn Kommunen können die Entwicklung planerisch forcieren, kaum jedoch finanziell. Die Stadt Eppstein hat bereits in der Hauptstraße Vockenhausen und dem Neubaugebiet Hollergewann im Zuge der dortigen Bauarbeiten Leerrohre für Glasfaserkabel legen lassen. Das ist sicherlich ein guter Anfang, jedoch gerade im Hinblick auf die Bedeutung der digitalen Infrastruktur als Standortfaktor für Kommunen, bei etwa 6000 Haushalten in Eppstein, kein nennenswerter Fortschritt.

Die jetzigen Bemühungen des Main-Taunus-Kreises den Städten und Gemeinden beim Breitbandausbau zu helfen, sind sicherlich anerkennenswert. Es darf nun allerdings kein allgemeines kommunalpolitisches Schulterklopfen eintreten, wie es sich kreisweit abzeichnet. Das eigentlich Problem unserer digitalen Infrastruktur wird so völlig übergangen, nämlich die fehlende flächendeckende Glasfaseranbindung. Verbindungen von theoretisch 100 MBit/s sind für viele Haushalte im MTK sicherlich ein Fortschritt – verschafft uns aber nur eine kurze Verschnaufpause im internationalen Wettbewerb, in dem Kupferkabel schon lange als antiquiert gelten – neuartige Vectortechniken hin oder her. Solange mittels Glasfasern kein Anschluss an den internationalen Vergleich gefunden wurde, besteht auch kein Grund zum Schulterklopfen


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