Ehre, wem Ehre gebührt!

Auch in diesem Jahr war der Neujahrsempfang der Stadt das gewohnte und geschätzte Stelldichein der Bürgergesellschaft, der für die Stadt Engagierten und der in ihre Ämter gewählten Verantwortlichen. Der Standortbestimmung: Rückblick aufs vergangene Jahr, Ausblick auf das, was kommt und zu erwarten ist. Und der Würdigung bürgerschaftlichen Einsatzes. Wie von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen, wurden Peter Frerichs als Gründungsmitglied des Burgvereins und langjähriger Burgführer sowie Richard Kaus als Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender des Bremthaler Heimat- und Geschichtsvereins ausgezeichnet. Zu Recht gelobt wurde vielfältiger ehrenamtlicher Einsatz bei der Verleihung des Jugendpreises der Bürgerstiftung. Bürgerschaftlicher Einsatz und ehrenamtliche Tätigkeit bestimmten den Grundakkord bei der Vorstellung des Tennisclubs aus Anlass seines 60jährigen Bestehens und bei der Präsentation des Lions Clubs, der als weltweite Organisation auf 100 Jahre zurückblickt und dessen Eppsteiner Gruppe sich seit gut sechs Jahren verdienstvoll für wohltätige Zwecken engagiert.

Aber mit keinem Wort gingen Stadtverordnetenvorsteher Bernhard Heinz und Bürgermeister Alexander Simon auf die aufopfernden ehrenamtlichen Verdienste des Asylkreises ein. Könnte es sein, dass sie beim Stichwort Ehrenamt ausnahmsweise nicht an die mehr als 100 Eppsteiner Bürger gedacht haben, die sich täglich rund um die Uhr um die in Eppstein lebenden Flüchtlinge kümmern? Wohl kaum. Könnte es sein, dass sie das Engagement der Paten, Lehrer, Kontakter, Hausverantwortlichen, der Frauen und Männer in der Kleiderkammer, der Sport- und Fahrradorganisatoren nicht schätzten? Sicher nicht. Warum dann nicht diesen außergewöhnlichen Einsatz in außergewöhnlichen Zeiten würdigen, auch wenn zum Beispiel Frau Picard, Herr Neuhaus und Pfarrer Mittag an diesem Neujahrsempfang nicht offiziell ausgezeichnet wurden?

Der Verdacht drängt sich auf, dass parteitaktische Überlegungen es ratsam erscheinen ließen, ein womöglich kontroverses Thema nicht anzupacken. Dass man umso froher ist, so viel Arbeit abgenommen zu bekommen, weil es sich nicht auszahlen könnte, mit der Herausforderung der Flüchtlings-Integration identifiziert zu werden.

Politik erfordert tägliche Kompromisse, und Parteien müssen nicht zuletzt Mehrheiten organisieren. Das aber kann nicht von der Verantwortung, der sich Politik stellen muss, entheben. Integration muss vor allem auf kommunaler Ebene gelingen. Dabei genügt es nicht, auf neue Gesetze, Verwaltungsrichtlinien, Fördertöpfe etc. zu warten, sondern es muss angepackt, es müssen Ideen entwickelt werden, es bedarf vor allem Initiativen, die unterhalb der Schwelle von Gesetzen und Verwaltungsvorgaben unmittelbar vor Ort ansetzen und greifen.

Mit einem Wort: Die Verantwortlichen der Stadt sind gefragt. Selten war die Gelegenheit so günstig, Ausdauer zu zeigen und Verwaltungskönnen zu entfalten, das mehr ist als die Gabe, sich vermeintlich pressewirksam und volksnah darzustellen. Auszeichnung, wem solches als Dank für seinen ehrenamtlichen Einsatz gebührt. Aber auch: Ehre, wem Ehre gebührt!


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