Fehlende Flächen sind kein Mangel, sondern eine Chance

184.000 Wohnungen fehlen bis 2030 im Rhein-Main-Gebiet, davon in Eppstein 500! Das hat der Regionalverband FrankfurtRheinMain, der den Flächennutzungsplan für diese Region erstellt, in einer neuen Bedarfsprognose ermittelt. Der Prognose liegt die Annahme zugrunde, dass die Bevölkerung im Verbandsgebiet um 8,5 Prozent (200.000 Einwohner) zunehmen werde. Nicht nur der Laie wird über solche Zahlen staunen.

Nun könnte man fragen, warum hier neue Wohnungen gebaut werden sollten, wenn doch tausende in Brandenburg, Sachsen–Anhalt, oder gar Nordhessen leerstehen. Die Antwort lautet: eben deshalb. Wirtschaftlich schwache Region leiden unter Abwanderung der Bevölkerung, eine wirtschaftlich starke Regionen wie Rhein-Main spürt den Siedlungsdruck durch alle jene, die hier Arbeit und eine Zukunft suchen.

Aber wo könnten denn zusätzliche Wohnungen entstehen? Das haben sich Stadtverordnete und Bürgermeister Simon auf Initiative der FDP-Fraktion unlängst an einem Samstagmorgen im Rathaus gefragt. Beim Blick auf die an die Wand gehängten Karten haben sie Areale identifiziert, auf denen neue Wohngebiete ausgewiesen werden könnten und zumindest einer näheren Prüfung unterzogen werden sollen. Verschiedene kleinere Gebiete kamen dabei heraus, neben den Lückenschlüssen in bestehenden Siedlungsflächen, die sich ohnehin anbieten.

Aber, muss man fragen, genügt das? Ist damit der selbstgestellte Anspruch, dem die Stadtverwaltung gar nicht anders als sich verpflichtet fühlen kann, erfüllt, die Stadt zukunftsfähig zu entwickeln und – nicht zuletzt – ihre Entwicklungschancen in dieser wirtschaftsstarken Regionen zu sehen und zu suchen?

Das lässt sich bezweifeln. Gewiss, der Wald. Unbenommen, das Klima. Keine Frage, Wachstum ist kein Fetisch. Aber man sollte sich andererseits nicht gegen jede Veränderung, gegen Wachstum sperren. Und schon gar nicht sollte man sich einen Entwicklungsbann auferlegen, der keinen anderen Zweck haben kann, als das Nachdenken über Veränderungen zu beenden soll, bevor es überhaupt begonnen hat.

Eppstein profitiert von einer Lage-Gunst inmitten einer Region, deren Mobilitätsangebot seinesgleichen sucht. So fernab vom Getriebe einer großen Metropolregion kann man sich wiederfinden und dabei so nah an ihrem pulsierenden Zentrum! Zumal diese Region viele Zentren hat. Urbanes Leben und ländlicher Raum sind nicht, wie bei den großen europäischen Metropolen, durch endlose und gesichtslose Vorstädte getrennt.

Daraus lässt sich mehr machen als ein Rückzug auf eine vermeintliche Idylle im Windschatten von Veränderungsdruck – der ja auch die Ursache für Siedlungsdruck ist. Zumindest sollte man sich ohne Denkverbote fragen, wo sinnvollerweise Wohn- und gerne auch Gewerbegebiete entwickelt werden könnten. Die Topografie erleichtert das gewiss nicht. Aber auch hier: warum nicht nach neuen Lösungen suchen – gerne gesamthaft mit Integration von neuartiger Vernetzung von Infrastruktur, mit energetischer Optimierung und mit gestalterisch beispielgebenden neuen Lösungen fürs Wohnen an Hang und im Tal und unter Verzicht auf die stereotyp versetzt aufeinander gestapelten Wohnblöcke, wofür es auch in Eppstein Beispiele gibt.

Selten waren die Chancen größer für mutige Zukunftsplanung: Es gibt eine spürbare Nachfrage. Es gibt jede Menge neue technische Lösungen für einzelne Wohnungen, für Häuser und für Städte (Stadtteile). Und die demnächst auf Initiative der Fraktionen von FDP, SPD und FWG startende Leitbilddiskussion in der Bürgerschaft zur wünschenswerten Weiterentwicklung des Standorts schafft ein Forum, Ideen, Wünsche, Bedürfnisse zu ermitteln und in gemeinsamer Entscheidungsfindung in ein tragfähiges, gerne nachhaltiges Konzept zu gießen.

Eppstein, die Perle im Taunus, hat eine imposante Burg, die Touristen aus aller Welt beeindruckt, mit den Eppstein Foils einen „Hidden Champion“, dessen Produkte in aller Welt gefragt sind – warum sollte Eppstein nicht auch für ein zukunftsweisendes Siedlungsprojekt stehen können, das Aufmerksamkeit nicht nur im Rhein-Main-Gebiet findet?

 


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